10.12.2007

Industrie: Wissenschaftlich-technischen Nachwuchs ins Zentrum der Innovationspolitik

Neuer Aktionsplan der IV als Beitrag zum nationalen Schulterschluss aller Stakeholder – 2010 fehlen 1000 Hochschulabsolventen aus NT-Bereich - Nachwuchs von „innen“ und „außen“ fördern: Politik muss offensiv um Hochqualifizierte werben

„Wenn wir Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität in Österreich erhalten wollen, braucht es einen nationalen Schulterschluss aller Stakeholder, den unbedingten Willen zur Fokussierung auf die Bereiche Bildung, Forschung und Innovation und die Sicherstellung des Nachwuchses für Forschung und Entwicklung", betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Markus Beyrer, bei der Pressekonferenz zum Thema Nachwuchssicherung in Naturwissenschaften und Technik in Österreich. Wie eine Umfrage unter den IV-Mitglieder gezeigt habe, ist „das Finden von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Abstand zur größten künftigen Problemstellung am Wirtschaftsstandort Österreich und gleichzeitig zum gegenwärtig größten Hemmschuh für mehr Wachstum und Entwicklung geworden." Letztlich seien es neben optimalen Rahmenbedingungen immer die talentierten, kreativen und qualifizierten Köpfe, die Forschung und Innovation entscheidend vorantreiben. IV-GS Beyrer: „Sie sind die Promotoren der künftigen Entwicklung unseres Standortes - Menschen schaffen Zukunft."

„Die enormen positive Effekte, die der technologische Wandel, Forschung und Innovation dabei auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den Wohlstand Österreichs ausüben, lassen sich auch quantifizieren: Zwei Drittel des heimischen Wirtschaftswachstums verdanken wir dem technologischen Wandel, Forschung und Innovation. Innovationsorientierte Unternehmen stellen dabei die Wachstums- und Jobmotoren Österreichs dar", erklärte Beyrer. Der Zukunftsdialog „Innovation für Österreich" der Bundesregierung habe gezeigt, dass Österreich bis dato im Innovationsbereich zwar gut aufgestellt sei, sich aber an der Schwelle zu einer neuen Herausforderung befinde. Nun seien alle gefordert, eine langfristig ausgelegte, visionäre „Innovationsstrategie Neu" für den Standort Österreich zu entwickeln, die weit über monetäre und strukturelle Aspekte hinausgehe. Ein zentrales Element dieser Strategie müsse die Sicherstellung des wissenschaftlich-technischen Nachwuchses sein, so Beyrer.

2010 fehlen 1000 Graduierte technisch-naturwissenschaftlicher Studienrichtungen
„Die seit längerem sichtbaren Engpässe bei hochqualifiziertem Personal in Naturwissenschaften und Technik konnte bisher nicht entschärft werden. Die Dringlichkeit der Lösung dieser Problematik nimmt heute dramatisch zu. Für das Jahr 2010 ergibt sich eine rechnerische jährliche Lücke von 1.000 Graduierten in den 15 meistgesuchten Studienrichtungen, bezogen auf eine Gesamtzahl von 4.300 Absolventinnen und Absolventen in diesen Disziplinen", warnte der IV-Generalsekretär. Die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften bestimme heute maßgeblich die Attraktivität von Wirtschaftsstandorten und entscheide oftmals darüber, ob und in welchem Ausmaß an eine Standort investiert werde. „Der grenzüberschreitende, globale Wettstreit um die besten Köpfe und Hände ist längst entbrannt. Er wird darüber hinaus durch den Wettbewerb verschärft, der zwischen einzelnen Unternehmen, zwischen verschiedenen Universitäten und zunehmend zwischen den Ebenen Wirtschaft und Wissenschaft als solche stattfindet", so Beyrer weiter.

Nach den ersten erfolgreichen innovationspolitischen Weichenstellungen in monetärer und struktureller Hinsicht bestehe die zentrale Herausforderung für den Industriestandort Österreich darin, die Sicherstellung des wissenschaftlich-technischen Nachwuchses stärker in den Mittelpunkt zu rücken. „Die zentrale Zielsetzung dafür liegt in der optimalen Nachwuchssicherung von „innen", durch die Ausbildung einer ausreichenden Zahl an hochqualifizierten Absolventinnen und Absolventen, die auf die Erfordernisse des Arbeitsmarktes optimal vorbereitet werden. Gleichzeitig muss Österreich seine Attraktivität nach „außen" als Arbeitsplatz für internationale Spitzenkräfte weiter ausbauen, um in zunehmenden Wettbewerb um die größten Talente bestehen zu können", betonte der IV-Generalsekretär. Die IV habe daher mit einer Focus-Group unter Vorsitz von Mag. Markus Posch, Vorstandsmitglied der Philips Austria GmbH., ein Aktionspapier zur Sicherstellung des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses erstellt.

Menschen schaffen Zukunft - Aktionsplan der IV
„Die Fokussierung der bildungs- und innovationspolitischen Anstrengungen auf das Thema Nachwuchssicherung ist unabdingbar geworden - die nachhaltige Mobilisierung und Begeisterung der Gesellschaft, allen voran der Jugend, für Naturwissenschaften und Technik wird zu einer Überlebensfrage für Wachstum und Wohlstand. Wir brauchen eine der besten, konkurrenzfähigsten Strategien zur Nachwuchssicherung weltweit" so Markus Posch. Die Industriellenvereinigung wolle daher mit ihrem Aktionspapier „Menschen schaffen Zukunft" auf die enorme Bedeutung des Problems hinweisen und als Zeichen ihrer Mitverantwortung durch eigene Industrieaktionen eine aktiven Beitrag zur Lösung leisten, aber auch den Prozess der Umsetzung des Aktionsplans in Form eines nationalen Schulterschlusses aller Stakeholder initiieren. Posch präzisierte die Kerninitiativen:

  • Wir alle sind gefordert, die enormen Chancen, die  Naturwissenschaften und Technik für die Gesellschaft aber auch für jeden einzelnen bieten, stärker aufzuzeigen. Wir müssen die Jugend, Lehrende und Eltern für diese Zukunftsfelder begeistern.
  • Der Zulauf zu stark nachgefragten technischen Studienrichtungen ist zu erhöhen, Innovations-Berufe in Wissenschaft und Industrie müssen attraktiver werden. 
  • Frauen müssen von der faktischen Ausgrenzung aus der Welt von Wissenschaft und Technik befreit und bei technischen Ausbildungswegen unterstützt werden. 
  • Stark nachgefragte Qualifikationen müssen künftig auch nach Österreich „importiert" werden. 
  • Entscheidend wird jedoch vor allem sein, das Image von „Technik" nachhaltig positiv zu prägen und das Bewusstsein für die Bedeutung von Forschung und Innovation in der Gesellschaft zu erhöhen.

Als prioritäre Maßnahmen für die Sicherung des Standortes nannte IV-Generalsekretär Beyrer die Weiterentwicklung des Bildungssystems, das künftig möglichst frühen und kontinuierlichen Kontakt zur Welt von Wissenschaft und Technik sicherstellen müsse. „Die konsequente Umsetzung des Bildungsprogramms „Schule 2020" mit Schwerpunktsetzung im Bereich der Naturwissenschaften und Technik in der laufenden Bildungsreform hat für uns oberste Priorität. Weiters ist es für Österreich unumgänglich, seine Attraktivität als Arbeitsplatz für internationale Spitzenkräfte weiter auszubauen. Wir brauchen eine zeitgemäße Migrationspolitik des „offensiven Werbens" um ausländische Hochqualifizierte", schloss Beyrer.

"Wenn wir den High Tech Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig im globalen Wettbewerb positionieren wollen, müssen wir unsere Anstrengungen im Hinblick auf die Rekrutierung von naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs in Industrie und Wissenschaft bündeln", so DI Helmut Leopold, Technologiechef von Telekom Austria TA AG, für den "die Verbesserung der öffentlichen Awareness, die anforderungsgerechte Weiterentwicklung der Bildungsprogramme und der Gratifikationssysteme in den Unternehmen, die Genderfrage und die Mobilität die wichtigsten Handlungsfelder für die nahe Zukunft markieren."


Fotos
vlnr.: Wolfgang Haidinger, Gerhard Riemer, Markus Posch, Markus Beyrer, Helmut Leopold
vlnr.: Wolfgang Haidinger, Gerhard Riemer, Markus Posch, Markus Beyrer, Helmut Leopold



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