05.11.2009

Industriekonjunktur weiter unter Wasser

Im Klub der Wirtschaftspublizisten präsentierte der Präsident der Industriellenvereinigung Dr. Veit Sorger aktuelle IV-Umfragedaten zur Industriekonjunktur. IV-Generalsekretär Mag. Markus Beyrer mahnte vor allem zu raschem Handeln in der Hochschulpolitik.

Die Dramatik der gegenwärtigen Rezession werde von Vielen nach wie vor unterschätzt, betonte Sorger: „In einzelnen Branchen wird es noch 10 Jahre und mehr brauchen, bis diese Rezession verdaut ist." So sei die Lage der Industrieunternehmen auch weiterhin äußerst schwierig, angespannt sei vor allem auch die Beschäftigungslage. Von niedrigsten Niveau aus beginne sich aber das IV-Konjunktubarometer zu verbessern. „Die Industriekonjunktur befindet sich weiter unter Wasser, der Abstand zur Wasseroberfläche hat sich aber verringert", so Sorger. Das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, lege von -21 Punkten auf -6 Punkte zu, liege damit aber dennoch zum vierten Mal in Folge in negativem Terrain. Die vorsichtige Erholung der Industriekonjunktur zeige sich auch bei der Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage als Verbesserung des Saldos von -35 Punkten auf -13 Punkte sowie bei der Erwartungskomponente mit Sechs-Monats-Horizont mit einer leichten Aufwärtsbewegung von per Saldo -6 Punkten auf +1 Punkt. „Dieser Befund lässt sich als Signal für eine konjunkturelle Stabilisierung bzw. Erholung, jedoch nicht als Indiz für einen Wiederaufschwung deuten", fasste der IV-Präsident zusammen.

Teilweise beruhe die Stabilisierung zudem auf auslaufenden Einmaleffekten, „daher müssen wir weiter an der Bewältigung der Krise arbeiten und unsere Strukturellen Hausaufgaben machen", appellierte Sorger an Interessenvertretungen und Politik. Die Verlierer der aktuellen Krise seien jedenfalls nicht die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, mit ausdrücklicher Ausnahme jener, die ihren Job verloren haben und kurzarbeiten, und die Pensionistinnen und Pensionisten, die Beamtinnen und Beamten. „Die Einkommen der Privathaushalte wachsen weiter, die Umverteilungsmaschinerie in Österreich läuft, während Selbstständige, aber auch Exporte schwer getroffen sind." In diesem Zusammenhang erinnerte Sorger an einige Ergebnisse einer aktuellen IV-Studie zur Umverteilung. „Österreich ist eines der meistumverteilten Länder der Welt - 28,5 Prozent des BIP fließen heute in soziale Transfers.  36,6 % der verfügbaren Haushaltseinkommen bestehen aus Sozialtransfers - damit ist Österreich Weltmeister", betonte Sorger. Die verfügbaren Haushaltseinkommen in Österreich seien von 1999 bis 2008 um 8,9 Prozent auf 3.381 Euro pro Monat gestiegen. Tatsächlich trage hierzulande ein Nettotransferzahler - also Leistungsträger und Unternehmer - drei Nettotransferbezieher.

Tertiärer Sektor braucht Gesamtstrategie

Seit vielen Jahr(zehnt)en drücke sich die Politik vor jeder wirklichen Entscheidung, die die Diskrepanz zwischen begrenzten Budgets und Kapazitäten (Raum, Lehrpersonal) einerseits und dem starken Zustrom von Studierenden andererseits lösen könnte, kommentierte IV-Generalsekretär Markus Beyrer: „Das ist  - auch das muss einmal offen ausgesprochen werden - ein Versäumnis, das in regelmäßigen Abständen zu Unmut an den Unis führt". Es brauche daher dringend eine Gesamtstrategie für den österreichischen tertiären Bildungssektor im Wissensraum Europa. „Wir müssen einen Strategieentwurf für den gesamten Sektor ausgehend von einer Aufgaben- und Performance-Analyse erarbeiten und mehr Effizienz bei der Aufgabenteilung zwischen den institutionellen Bereichen", so Beyrer. Die Industrie trete zudem nach wie vor für Studienbeiträge und Zuggangsbeschränkungen ein. Allerdings müsse auch im Vorfeld der universitären Bildung der Hebel angesetzt werden. „Eine Besonderheit und eine besondere Schwäche des österreichischen Bildungssystems ist die allzu frühe Selektion auf der einen Seite (Entscheidung nach 4 bzw. 8 Schuljahren) und das offene System bei hoher Bildung auf der anderen Seite", führte der IV-Generalsekretär aus. Dazu komme das Paradoxon, dass die abgebende Institution (Schule) über die Zugangsberechtigung für die aufnehmende Institution (Universität und somit die höchste Bildungsstufe) entscheide. „Hier gilt es gegenzusteuern - ich darf hier auf unser Konzept Schule 2020 verweisen, wo gezeigt wird, wie man unter anderem verhindern kann, dass Potenziale „unterwegs" im Schulsystem verlorengehen und damit auch mehr junge Menschen grundsätzlich Hochschulreife erzielen", so Beyrer abschließend.


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