Arbeitszeitverkürzung kostet Arbeitsplätze!
Während die österreichischen Unternehmen alles tun, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten bzw. zu schaffen, scheinen sich die Gewerkschaften intensiv damit zu befassen, wie Jobs systematisch vernichtet werden können: Jüngste skurrile Blüte dabei ist nach einem offen zur Schau getragenen Steuerfetischismus die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem (!) Lohnausgleich.Was unter Ausblendung ökonomischer Zusammenhänge auf den ersten Blick in den Ohren mancher relativ nachvollziehbar klingen mag, ist in Wirklichkeit eine gefährliche Drohung für die Arbeitsplätze in Österreich. Die Idee der Arbeitszeitverkürzung beruht auf der Milchmädchenrechnung, dass um das verkürzte Volumen an Arbeitszeit entsprechend zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden können, die Arbeit also einfach auf mehr Personen verteilt werden kann. Von Ausnahmefällen in einzelnen Unternehmen und bei ganz spezifischen Voraussetzungen einmal abgesehen, wäre genau das Gegenteil, nämlich die Gefährdung bzw. Vernichtung vieler Arbeitsplätze in Österreich die Folge. Dennoch wurde die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich jetzt von den Gewerkschaften, und zwar wieder einmal entgegen allen anderslautenden Beteuerungen, zu einem der Hauptpunkte für die Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst ausgerufen. Beschäftigungspolitisch manövrieren sich die Arbeitnehmervertreter damit endgültig in eine Sackgasse.
Was bedeutet eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich?
Arbeit wird (noch) teurer, die Produktivität müsste über das ohnedies notwendige Ausmaß zusätzlich gesteigert werden, um die Wettbewerbsfähigigkeit einigermaßen zu erhalten. Der Zeitdruck für die Arbeitnehmer würde automatisch steigen und zu Risken für Gesundheit und Qualität führen und auch der Rationalisierungs- und Automatisierungsdruck würde deutlich größer.
Der Blick über die Grenzen ist ohnehin abschreckend genug: Weder in Frankreich mit dem missglückten (und inzwischen größtenteils reumütig zurückgenommenen) Experiment 35-Stunden-Woche noch in Deutschland konnten zusätzliche Arbeitsplätze durch Arbeitszeitverkürzung geschaffen werden. Ganz im Gegenteil! Es gingen Arbeitsplätze verloren. Die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Arbeitsplatzsicherheit kann nicht durch Verkürzung der Arbeitszeit, sondern nur durch die Möglichkeit zu mehr Flexibilität je nach Auftragslage gesteigert werden. Wenn Betriebe im Vergleich zum Mitbewerb mit kleinerem Arbeitszeitvolumen arbeiten müssen, leidet die Wettbewerbsfähigkeit massiv. Die Rechnung für die Gewerkschaftsforderung hätten dann vor allem unqualifizierte und gering qualifizierte österreichische Arbeitskräfte zu bezahlen. Mehr und mehr stellt sich die Frage, wessen Interessen die Gewerkschaften eigentlich vertreten.
