„Re-Set Universities! Hochschulen neu denken“ (AK 7)

Ziel des Arbeitskreises war es, das Hochschulsystem neu zu denken und für die laufenden Hochschuldiskussionen neuen Input zu erhalten.

Um etwas gedanklich neu zu gestalten und einem Re-Set zu unterziehen, bedarf es veränderter, oftmals radikaler Denkweisen. Mit Unterstützung der Moderatoren von der Organisationsberatung promitto wurden die Teilnehmer gedanklich auf eine Reise geschickt. In einem Gedanken-Experiment wurden die Hochschulen (und zwar alle: Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen und Privatuniversitäten) gelöscht. Veranschaulicht wurde das Löschen anhand eines Wiener Zentrumsplans, wo Hochschulgebäude mit weißen Flächen versehen wurden.

Dieses Gedankenexperiment diente als Impuls für einen anderen Blick auf das österreichische Hochschulsystem und einen gedanklichen Neu-Start.

Für die weitere Diskussion wurde in diesem Arbeitskreis ein innovativer Ansatz gewählt. Anstatt der sonst üblichen Statements der Referenten zum Gedankenexperiment der gelöschten Universitäten mit anschließender Diskussion der Podiumsteilnehmer, war das Ziel in diesem Arbeitskreis, alle Teilnehmer in die Diskussion mit einzubeziehen. Dafür wurde das World-Cafe-Format gewählt.

Ausgehend von der Hypothese, dass es in Österreich keine Hochschulen mehr gibt, wurde an 3 Tischen diskutiert, was sich ändert für:

  • Menschen - Studierende, Forscherinnen / Forscher, jede einzelne Bürgerin / jeden einzelnen Bürger
    Gastgeberin an diesem Tisch waren ÖH-Chefin Maurer und Rektor Sünkel (Präsident der Universitätenkonferenz) 
  • Arbeitsmarkt und Unternehmen
    Gastgeber an diesem Tisch war Markus Posch (Head of Group Human Resources, Erste Bank Group) 
  • Politik und Gesellschaft
    Gastgeber an diesem Tisch war Katharina Cortolezis-Schlager (ÖVP-Wissenschaftssprecherin)

In einer zweiten Runde wurde mit den Gastgebern an den Tischen lebhaft diskutiert, was die Hochschulen unverwechselbar macht und welche ihre ureigensten Aufgaben sind, die sonst keine Institution leisten kann.

Das Hauptergebnis des Experiments war, die Verdeutlichung der großen Bedeutung von Hochschulen bereits im gegenwärtigen System. Durch das gedankliche Löschen der Hochschulen wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern schlagartig bewusst, wie bedeutend und unverzichtbar Hochschulen für die unterschiedlichen Ebenen sind.

Die Hauptergebnisse der Diskussionen an den Tischen zur Gestaltung von Hochschulen nach einem Re-Set waren:

  • neue Hochschulen würden einen veränderten / zeitgemäßen Fächerkanon aufweisen 
  • das Streben nach Spitzenleistungen würde einen höheren Stellenwert aufweisen 
  • es gäbe eine stärkere Trennung zwischen Massenausbildung und Forschung 
  • es gäbe kein Parallelsystem Universitäten - FHS - Pädagogische Hochschulen, sondern eine innere Differenzierung 
  • universitäre Bildung würde als Privileg verstanden werden 
  • „Mut zur Lücke": nicht jeder Bereich müsste von Österreich selbst abgedeckt werden

In einer abschließenden Runde beurteilten die Akteure das Gedankenexperiment und zogen ihre Schlussfolgerungen daraus:

Markus Posch, der Human Resources Verantwortlicher der Erste Group, zeichnete ein Bild der geänderten Rolle der Studierenden: vom Bildungskomsumenten zum Jäger des Wissens. Die Tisch-Diskussionen haben verdeutlicht, dass unter der Hypothese eines Österreichs ohne Hochschulen Bildungsentscheidungen viel bewusster getroffen werden und die Bereitschaft ins Ausland zu gehen stark steigt. Jetzt muss es für die Politik wichtig sein, sich darauf zu einigen, „was" gewollt wird und dann in einem nächsten Schritt das „Wie" zu überlegen.

ÖVP-Wissenschaftssprecherin Cortolezis-Schlager beurteilte den Prozess des Zusammenspiels von Politik und neuen Kräften in den Diskussionen um einen Re-Set des Hochschulsystems als sehr spannend. Das Experiment war auch ein sehr gutes Beispiel, um die Internationalisierung und die internationale Verflechtung von Bildung zu verdeutlichen.

Nach Meinung von Rektor Sünkel erkennt man die Stärken und Schwächen eines Systems nur dann, wenn man das System einer Extremsituation - in diesem Fall dem Abschaffen - aussetzt. Das derzeit mangelnde politische Commitment für den tertiären Bildungssektor sei sehr bedauerlich, daher bewegt man sich auf Nebenschauplätzen zu Zugangsregelungen und Studienbeiträgen.

ÖH-Chefin Maurer begrüßte das Gedankenexperiment als sehr gute Möglichkeit, um Bewusstsein zu schaffen, was wir an den Hochschulen haben und was sie leisten. Die Frage, die sich jetzt stelle, sei aber, wie man das Commitment in Politik und Gesellschaft ändern kann, um mehr Geld in Bildung zu investieren. Es muss eine gemeinsame Priorität für die Zukunft Österreichs sein und dafür sind gemeinsame Anstrengungen notwendig.


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