Industrie-Konjunktur im Aufwärtstrend
IV-Konjunkturbarometer gewinnt an Fahrt – Produktionsausweitung im Frühjahr – Stabile Beschäftigungsaussichten – Aufhellung der ErtragsperspektivenDer konjunkturelle Aufwärtstrend in der österreichischen Industrie setzt sich fort. Das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, steigt von +24 Punkten im Vorquartal auf nunmehr +34 Punkte.
„Nach einem schwächeren Schlussquartal im Vorjahr gewinnt die Erholungsdynamik im neuen Jahr wieder an Fahrt. Besonders erfreulich ist, dass im weiteren Jahresverlauf erstmals in diesem Zyklus eine realistische Chance besteht, dass die Erholung in einen sich selbst tragenden Aufschwung übergeht", hält der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Dr. Veit Sorger, das Hauptergebnis der IV-Konjunkturerhebung für das 4. Quartal 2010 fest. „Für einen sich selbst tragenden Aufschwung braucht es aber vor allem Investitionen. Neben der wieder guten Kapazitätsauslastung sollte durch die verbesserten Ertragsaussichten die Investitionsneigung der Unternehmen in den kommenden Monaten nach langer Durststrecke wieder wachsen."
Die Ergebnisse im Detail
Die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage in der Industrie hat sich nochmals um +2 Punkte auf +45 Punkte verbessert. Erstmals im laufenden Konjunkturzyklus berichtet exakt die Hälfte der Unternehmen von einem aktuell guten Geschäftsverlauf, doch verbleibt bis zu den während der letzten Aufschwungphase 2006-2007 erreichten Anteilen von bis zu 80% noch viel Spielraum. Dazu IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein: „Nach wie vor befinden wir uns in einer eher frühen Phase des Konjunkturzyklus‘. Bei investitionsfreundlichen Standortbedingungen sollte der konjunkturelle Aufwärtstrend weiterhin erhalten und das zyklische Hoch noch eine Weile außer Sichtweite bleiben - vorausgesetzt, eine neuerliche Finanzmarktkrise im Kontext der Schuldenproblematik einiger Mitgliedsländer der Eurozone kann verhindert werden."
Die Erwartungskomponente mit Sechs-Monats-Horizont legt spürbar von +6 Punkten auf nunmehr +22 Punkte zu. „Die Konjunkturerholung in der österreichischen Industrie gewinnt an Breite. Der Anteil der Unternehmen, welche eine anhaltende Verbesserung erwarten, steigt auf 26%, zugleich bildet sich der Anteil der Unternehmen, die einen erneuten Rückfall in die Stagnation wie im ersten Quartal des Jahres 2010 erwarten, auf 4% zurück", so Helmenstein.
Die Auftragsbestände weisen derzeit einen Saldo von +53 Punkten nach +48 Punkten auf - mehr als die Hälfte (60%) der Unternehmen bezeichnet ihren Auftragsbestand wieder als gut. Der günstige Verlauf der Mengenkomponente der Konjunkturerholung wird in den kommenden Monaten weiterhin expansiv auf die Produktion und Beschäftigung wirken.
Anders als zuvor hat hierzu der zuletzt verhaltenere Auftragseingang aus dem Ausland kaum noch beigetragen. Hier schlägt sich erwartungsgemäß die zwischenzeitliche Euro-Stärke dämpfend nieder, sodass sich der Saldo von +48 Punkten auf +49 Punkte aktuell kaum verändert. Allerdings wird sich das anhaltend starke Wachstum der Weltwirtschaft in den kommenden Monaten weiterhin exportbegünstigend auswirken.
Die verbesserte Auftragslage übersetzt sich auf Sicht der kommenden drei Monate in eine neuerliche Ausweitung der Produktionstätigkeit in der Industrie - der betreffende Saldo steigt von +12 Punkten auf +30 Punkte.
Der im Jahr 2010 einsetzende Beschäftigungsaufbau in der Industrie wird auch im kommenden Quartal anhalten, wenngleich an Dynamik verlieren (Saldo von +3 nach zuvor +9), bis die kriseninduzierten Verluste bei der Arbeitsproduktivität und den Lohnstückkosten wettgemacht werden konnten. Während sich einerseits die Einstellungsneigung der Unternehmen auf dem Niveau der drei letzten Quartale stabilisiert - 20% der Unternehmen sehen die Aufnahme zusätzlicher Beschäftigter vor -, erwartet andererseits jedes sechste nach zuvor jedem neunten Unternehmen, seinen Beschäftigtenstand im laufenden Quartal verringern zu müssen.
Auf der Erlösseite sehen die Unternehmen vor dem Hintergrund hoher globaler Nachfrage überwiegend bessere Verkaufspreise (Saldo +16 nach +7). Allerdings ist nach wie vor jedes zehnte Unternehmen mit fallenden Verkaufspreisen konfrontiert.
Aufgrund der wieder über dem langjährigen Durchschnitt liegenden Kapazitätsauslastung hat sich die Ertragslage trotz anhaltend hohen Kostendrucks seit einem halben Jahr auf deutlich verbessertem Niveau stabilisiert (Saldo von +24 nach +26). Dieser aktuelle Befund entspricht Werten, wie sie noch vor der einsetzenden Aufschwungsphase Mitte des letzten Jahrzehnts zu verzeichnen waren, während in Hochkonjunkturphasen typischerweise doppelt so hohe Salden ausgewiesen werden.
Wenn sich die Ertragserwartungen der Unternehmen auf Sicht von sechs Monaten realisieren lassen (Saldo von +20 Punkten nach +3 Punkten), wird sich die Ertragslage konjunkturkonform und investitionsbegünstigend in den kommenden Monaten weiter aufhellen.
Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 447 Unternehmen mit mehr als 285.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.
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Konjunkturumfrage 4. Quartal 2010 - Grafiken
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Konjunkturumfrage 4. Quartal 2010 - Datenblätter
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